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Teilzeitarbeit als Chance
Teilzeitarbeit wird in der öffentlichen Debatte oft als Problem für Unternehmen dargestellt. Doch aktuelle Analysen zeigen, dass sie nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch die Gesundheit und Motivation der Beschäftigten fördern kann – bei richtiger Umsetzung.
Die aktuelle Diskussion um Teilzeitarbeit stellt diese häufig als Belastung für Unternehmen und die Wirtschaft dar. Doch diese pauschale Bewertung lässt sich empirisch nicht belegen, wie Analysen an der Frankfurt University of Applied Sciences zeigen. Im Gegenteil: Bei gezielter Ausgestaltung kann Teilzeitarbeit sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft Vorteile bringen.
Die Debatte um Teilzeitarbeit als reine Lifestyle-Entscheidung verkennt die realen Lebensumstände vieler Menschen. Neben dem Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance spielen vor allem Betreuungspflichten für Kinder oder Angehörige eine zentrale Rolle. Oft fehlt es an staatlicher Infrastruktur, die eine Vollzeittätigkeit überhaupt ermöglichen würde. Zudem belegen Studien, dass die Produktivität mit steigender Stundenzahl sinkt. Neue Arbeitszeitmodelle wie der Sechs-Stunden-Tag oder die Vier-Tage-Woche zeigen, dass sich mit weniger Arbeitszeit ähnliche Ergebnisse erzielen lassen – bei gleichzeitig positiven Effekten auf Gesundheit und Motivation der Beschäftigten.
Es gibt Tätigkeiten, die aufgrund flexibler Nachfrage nur in Teilzeit angeboten werden, etwa im Servicebereich, und solche, die auf Wunsch der Beschäftigten reduziert werden. Gerade erstere sind für viele Unternehmen unverzichtbar. Bei der Wunsch-Teilzeit zeigt sich, dass ein optimales Fenster zwischen 25 und 30 Wochenstunden liegt, in dem die Vorteile – wie höhere Motivation und geringere Fehlzeiten – die Nachteile, etwa erhöhten Koordinationsaufwand, überwiegen.
Die Produktivitätssteigerung lässt sich durch eine höhere Leistungsdichte erklären: Teilzeitbeschäftigte arbeiten oft fokussierter, nehmen seltener Pausen und sind motivierter, da sie über ihre Zeit selbst bestimmen können. Die gewonnene Autonomie und die Möglichkeit, private Verantwortungen besser zu vereinen, wirken sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit und damit auf die Produktivität aus.
Teilzeitarbeit kann Unternehmen zudem dazu anregen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten und moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz einzusetzen. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Gleichzeitig profitieren Beschäftigte von einer geringeren Arbeitsbelastung, was kurz- und langfristig die physische und psychische Gesundheit fördert. Studien zeigen, dass zufriedene und gesunde Mitarbeitende seltener krankheitsbedingt ausfallen und dem Unternehmen länger erhalten bleiben – ein entscheidender Vorteil angesichts des Fachkräftemangels.
