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Spätere Entscheidung für die Schulform könnte Bildungsgerechtigkeit und schulische Leistungen verbessern
Der Besuch eines Gymnasiums kann die schulischen Leistungen und Studienambitionen von Kindern unabhängig von sozialem Hintergrund oder bisherigen Noten steigern. Besonders benachteiligte Gruppen profitieren – doch der Zugang bleibt ungleich verteilt.
Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim kommt zu dem Ergebnis, dass der Besuch eines Gymnasiums die schulischen Leistungen und die Bereitschaft zu einem späteren Studium bei Kindern unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund oder ihren bisherigen Noten verbessert.
Besonders auffällig ist, dass leistungsschwächere oder sozial benachteiligte Kinder in gleichem Maße vom Besuch eines höheren Bildungsgangs profitieren wie leistungsstärkere oder privilegierte Schülerinnen und Schüler. Dennoch haben Kinder aus benachteiligten Familien seltener die Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen. Die Studie stellt damit die bisherige Annahme infrage, dass strikte Leistungsgruppierungen notwendig seien, um leistungsstarke Schülerinnen und Schüler zu fördern.
In Deutschland erfolgt die Zuweisung zu unterschiedlichen Schulformen bereits im Alter von zehn Jahren – im internationalen Vergleich sehr früh. Die ungarischen Daten zeigen, dass Schülerinnen und Schüler im höheren Bildungsgang unabhängig von Geschlecht, Herkunft und bisherigen Leistungen deutlich bessere Ergebnisse in standardisierten Mathematik- und Lesetests erzielen. Besonders Mädchen und Kinder mit niedrigerem sozioökonomischem Status profitieren davon. Zudem verstärkt sich die Bildungsungleichheit zwei Jahre nach der Einteilung weiter, obwohl alle Gruppen vom Gymnasialbesuch profitieren würden.
Bildungsabschlüsse haben direkten Einfluss auf die spätere Berufswahl, das Einkommen und damit auf die Absicherung im Alter. Eine höhere Bildungsgerechtigkeit könnte langfristig zu einer breiteren Streuung von Risiken und einer besseren Altersvorsorge in der Bevölkerung führen.
